Mittwoch: Der tierliebe Anton

Anton hat einen Hund. Einen süßen kleinen blonden Hund ohne den mein Sohn nicht mehr zu sehen ist. „Tiger“ hat er ihn getauft und obwohl Tiger gar nicht nach einem Tiger aussieht, passt der Name doch irgendwie. Die ersten Tage haben Anton und seine Freunde den Hund in einer benachbarten Bauruine versteckt. Denn eigentlich sollen keine Hunde im Projekt leben. Irgendwann konnte Anton das Geheimnis aber nicht mehr für sich behalten und hat mir Tiger gezeigt. Dank unseres Sonderstatus drücken alle ein Auge zu und der Hund darf bleiben. Anton ist im Glück. Er hat seinem neuen besten Freund eine Hundehütte gebaut, pflegt, hätschelt, wäscht und drückt ihn, füttert ihm Milch und Posho und fragt mich täglich X-mal ob es denn nicht doch irgendeinen Weg gibt, den Hund mit nach Deutschland zu nehmen. Ach wenn wir doch in Italien wären.

Dienstag: Regen, Schlangen, schlimme Träume

Heute Nacht ging es los. Irgendwann gegen drei Uhr morgens fängt Anton an wie am Spieß zu schreien. Er schlägt um sich und lässt sich durch nichts beruhigen. In seinen Augen steht die pure Angst aber ich kann ihm nicht entlocken was los ist. Hat ihn im Schlaf ein Tier attackiert oder war es nur ein Traum? Erst Fragen nach seinem Namen und dem seines Papas bringen ihn wieder zurück in die Realität und er kann eng an mich gekuschelt wieder einschlafen. Erst am nächsten Morgen erzählt er mir mit heiserer Stimme von seinem Traum in dem sich sein halber Kopf in eine Ananas verwandelt hat, die die andere Hälfte versuchte aufzuessen.

Die nächste Horrorszene ereignet sich am Nachmittag. Nach weiterem sintflutartigen Regen, der auch unser Zimmer unter Wasser setzt, (aber das ist gar nicht das Thema), schwärmen die Kinder aus um die Schäden der Umgebung zu inspizieren wie eingestürzte Wände und unterspülte Straßen (aber auch das ist gar nicht das Thema). Nach einer Weile beschleicht mich das Gefühl, dass Anton schon zu lange weg ist. Fiona macht sich auf ihn zu suchen. Sie findet den armen Kerl gestrandet auf einem Felsen und vor Angst wimmernd – zusammen mit einer Schlange. Ins Wasser traut er sich nicht weil er auch dort Schlangen gesehen hat. Todesmutig steigt die große Schwester in die braune Brühe und trägt ihren kleinen Bruder huckepack ans rettende Ufer.

Montag: Wir bauen uns ein Dach: 3. Teil

Es regnet nicht, aber es dampft. Wäschewaschen, mit kaltem Wasser und viel Seife und Gerubbel, verschiebe ich auf morgen. Stattdessen mache ich mich an den Bau des Vordachs. Zwei deutsche Studentinnen, die Mitte August zu uns gestoßen sind und meine zwei Superbuilder, die 23-jährigen Zwillinge Patrick und Peter helfen mir. Um nicht wieder auf den unzuverlässigen Schlosser angewiesen zu sein, habe ich umgeplant und statt Metallplatten zur Befestigung der Verstrebungen kommt nun ein Brett aus Eukalyptusholz zu Einsatz. „Good thinking bad woman“ denke ich, denn es gelingt mir nicht einmal die besonders schweren, weil besonders frischen Bretter überhaupt hochzuheben. Durch die Feuchtigkeit des Holzes sind sie so stark verzogen, dass man aus ihnen  besser ein Boot bauen sollte. Das Ergebnis ist, dass sie krumm und schief an der Wand hängen. Jetzt wäre eine Schraubzwinge recht, aber so etwas gibt es hier nicht. Wie ich dieses Detail löse, um es halbwegs mit meinem Gestaltungsanspruch in Einklang zu bringen, weiß ich noch nicht. Wir lassen die Bretter schief hängen, denn es fängt schon wieder an zu regnen.

Sonntag: Crazy Season

Auch in Uganda gibt es die verrückte Jahreszeit, allerdings anders als bei uns. Neben der
Trocken- und Regenzeit, die normalerweise auf die Monate November, Dezember sowie April und Mai trifft, erleben wir hier eine ganz außergewöhnliches Naturphänomen, das es, darf man den Einheimischen glauben, bislang noch nie gegeben hat. Und wir sind dabei beim großen Ereignis „Crazy Season“, in der das Wetter völlig verrückt spielt und ganz entgegen seiner eigentlichen Bestimmung, Tag für Tag heftige Gewitter schickt. Wir haben sogar schon unter einem Sonnenschirm Schutz vor Hagel gesucht.

Im Moment kann ich dieses unbequeme Naturereignis noch halbwegs gelassen sehen, obwohl PACE seit wir hier sind schon drei Mal überschwemmt wurde. Im Moment sitze ich neben Fiona im Bett, die immer noch Bauchweh und Durchfall hat.
Nächste Woche aber kann ich kein krankes Kind und keine Regenfälle und Überschwemmungen mehr gebrauchen. Wetterbedingte Verzögerungen auf der Baustelle sind zeitlich jetzt einfach nicht mehr drin.

Samstag: Posho and Beans

Wir haben Dünnpfiff – alle Drei. Das Essen im nächstgelegenen Hotel ist uns diesmal nicht gut bekommen. Dabei sind wir dort Stammgäste und das Gericht, es war wohl der Cheeseburger, haben die Kinder schon mehrfach erprobt. Das Essen in Peace Africa sehe ich mittlerweile als persönliche Strafe für all die Sünden, die ich in meinem bisherigen Leben begangen habe (es müssen ganz schön viele gewesen sein, das war mir bislang gar nicht bewusst). Es gibt immer das gleiche Gericht: Posho and Beans. Posho ist ein aus Maismehl gekochter Stampf, in der Konsistenz so ähnlich wie Polenta, nur kompakter und gänzlich geschmacklos. Rote Bohnen sind rote Bohnen und die mochte ich vorher schon nicht.

Posho and Beans sind überaus nahrhaft und ebenso billig. Die Kinder essen es klaglos. Sie fügen sich ihrem Schicksal, wir nicht.

Bis jetzt ist auch alles gut gegangen mit der Alternativkost aus der Umgebung und wir Drei bleiben dabei: Lieber Dünnpfiff als Posho and Beans.

Freitag: Details

Heute gibt’s einen Eintrag speziell für Architekten. Ich habe ein paar ganz besondere Details fotografiert…Fortsetzung folgt. Viel Spaß beim Raten, um welche Baustoffe es sich handelt!