Montag: Wir bauen uns ein Dach: 3. Teil

Es regnet nicht, aber es dampft. Wäschewaschen, mit kaltem Wasser und viel Seife und Gerubbel, verschiebe ich auf morgen. Stattdessen mache ich mich an den Bau des Vordachs. Zwei deutsche Studentinnen, die Mitte August zu uns gestoßen sind und meine zwei Superbuilder, die 23-jährigen Zwillinge Patrick und Peter helfen mir. Um nicht wieder auf den unzuverlässigen Schlosser angewiesen zu sein, habe ich umgeplant und statt Metallplatten zur Befestigung der Verstrebungen kommt nun ein Brett aus Eukalyptusholz zu Einsatz. „Good thinking bad woman“ denke ich, denn es gelingt mir nicht einmal die besonders schweren, weil besonders frischen Bretter überhaupt hochzuheben. Durch die Feuchtigkeit des Holzes sind sie so stark verzogen, dass man aus ihnen  besser ein Boot bauen sollte. Das Ergebnis ist, dass sie krumm und schief an der Wand hängen. Jetzt wäre eine Schraubzwinge recht, aber so etwas gibt es hier nicht. Wie ich dieses Detail löse, um es halbwegs mit meinem Gestaltungsanspruch in Einklang zu bringen, weiß ich noch nicht. Wir lassen die Bretter schief hängen, denn es fängt schon wieder an zu regnen.

Sonntag: Crazy Season

Auch in Uganda gibt es die verrückte Jahreszeit, allerdings anders als bei uns. Neben der
Trocken- und Regenzeit, die normalerweise auf die Monate November, Dezember sowie April und Mai trifft, erleben wir hier eine ganz außergewöhnliches Naturphänomen, das es, darf man den Einheimischen glauben, bislang noch nie gegeben hat. Und wir sind dabei beim großen Ereignis „Crazy Season“, in der das Wetter völlig verrückt spielt und ganz entgegen seiner eigentlichen Bestimmung, Tag für Tag heftige Gewitter schickt. Wir haben sogar schon unter einem Sonnenschirm Schutz vor Hagel gesucht.

Im Moment kann ich dieses unbequeme Naturereignis noch halbwegs gelassen sehen, obwohl PACE seit wir hier sind schon drei Mal überschwemmt wurde. Im Moment sitze ich neben Fiona im Bett, die immer noch Bauchweh und Durchfall hat.
Nächste Woche aber kann ich kein krankes Kind und keine Regenfälle und Überschwemmungen mehr gebrauchen. Wetterbedingte Verzögerungen auf der Baustelle sind zeitlich jetzt einfach nicht mehr drin.

Samstag: Posho and Beans

Wir haben Dünnpfiff – alle Drei. Das Essen im nächstgelegenen Hotel ist uns diesmal nicht gut bekommen. Dabei sind wir dort Stammgäste und das Gericht, es war wohl der Cheeseburger, haben die Kinder schon mehrfach erprobt. Das Essen in Peace Africa sehe ich mittlerweile als persönliche Strafe für all die Sünden, die ich in meinem bisherigen Leben begangen habe (es müssen ganz schön viele gewesen sein, das war mir bislang gar nicht bewusst). Es gibt immer das gleiche Gericht: Posho and Beans. Posho ist ein aus Maismehl gekochter Stampf, in der Konsistenz so ähnlich wie Polenta, nur kompakter und gänzlich geschmacklos. Rote Bohnen sind rote Bohnen und die mochte ich vorher schon nicht.

Posho and Beans sind überaus nahrhaft und ebenso billig. Die Kinder essen es klaglos. Sie fügen sich ihrem Schicksal, wir nicht.

Bis jetzt ist auch alles gut gegangen mit der Alternativkost aus der Umgebung und wir Drei bleiben dabei: Lieber Dünnpfiff als Posho and Beans.

Freitag: Details

Heute gibt’s einen Eintrag speziell für Architekten. Ich habe ein paar ganz besondere Details fotografiert…Fortsetzung folgt. Viel Spaß beim Raten, um welche Baustoffe es sich handelt!

Donnerstag: Wir bauen uns ein Dach: 2. Teil

 

Nach fünf (!!!) weiteren Telefonanrufen kommt er um 12 Uhr mittags endlich an: der Schweißer, den ich schon begonnen habe für ein Phantom zu halten. Er hat auch die Platten dabei (13 statt 12, alles fein also), nur bei den Zugstäben hat’s nur für fünf statt für sechs gereicht. Hauptsache wir können endlich mit unserem Dach anfangen. 
Es ist eine Freude zuzusehen, wie Muko und seine Leute, Peter und Patrick aus Peace Africa helfen auch fleißig mit, in Windeseile den Dachstuhl zusammenzimmern und aufstellen. Auch hier unterscheidet sich Afrika nicht von Deutschland: die einen kriegen nichts gebacken, die anderen übertreffen sich an Leistungsfähigkeit selbst.

Mittwoch: Warten auf Godot

Dabei habe ich ihn doch gesehen, mit eigenen Augen, den freundlichen Mann mit dem Schweißgerät. Montag Abend wollte er die handgefertigten Nagelplatten und Zugstäbe liefern. Jetzt ist Mittwoch und noch immer sind sie nicht da.  Meine Telefonkosten übersteigen allmählich die Kosten für die Platten selbst, weil ich dem Mann fortwährend hinterhertelefoniere. Und jedes Mal bekomme ich dieselbe Antwort: Wegen Stromausfalls hätte er nicht arbeiten können, sei jetzt aber dabei die letzte(n) Platte anzufertigen und käme in spätestens 30 Minuten vorbei. Dass eine afrikanische Stunde so lange ist wie zwei deutsche, habe ich inzwischen begriffen. Dass 30 Minuten sich über Tage hinziehen, übersteigt aber nicht nur meine Toleranzschwelle, sondern auch die von Muko und seinen Arbeitern. Während wir wartend auf unserer Baustelle sitzen erklärt er mir, dass man sich am besten daneben stellt, bis die Arbeit erledigt ist.