To the Lake, To the Lake, Peace Africa zu Gast in Konstanz!

Workshops Grundschule

Workshops Grundschule

Radolfzell, Bahnhof Haselbrunn. Hinter den Gleisen. Eine sehr stille Gegend normalerweise. Im Sommer neigen sich behäbig Büsche mit Rosen und saftig grünen Blättern über den kleinen Weg, der in einer Sackgasse endet. An diesem Donnerstag Abend Anfang Juli ist es irgendwie anders. Die Dame auf dem Fahrrad, die um kurz nach halb neun am Kinderkulturzentrum Lollipop vorbeifährt, hebt ungläubig den Kopf und schaut nach oben. Aus dem ersten Stock hört man Musik. Die zwanzig Mitglieder vom Baraka Chor singen. Das allein wäre normal. Seit über zehn Jahren trifft sich der Chor jeden Donnerstag zum Proben. Das allein würde die Dame mit dem Fahrrad nicht verwundern. Nur heute klingt es anders. Man hört ein Sprachengewirr aus Englisch, Luganda, Suaheli und Deutsch. Trommeln klingen laut und weit bis über die Gleise. Der Chor hat Besuch.

Workshops in der Grundschule

Workshops in der Grundschule

Auch in der Sonnenrainschule in Radolfzell hört man in den ersten beiden Unterrichtsstunden am Montagmorgen Trommeln in den Gängen. Der Unterricht ist auch hier ganz anders, als sonst. Trommelnd und tanzend ist die Zeit für die Schüler der ersten und dritten Klasse wie im Flug vergangen. Jetzt sitzen alle im Kreis und stellen viele Fragen: Braucht man in Afrika einen Anorak? Seid Ihr mit dem Flugzeug hergekommen? Ist da Krieg, wo ihr herkommt? Ist Uganda weit weg von Ägypten? Wie lange dauert es, eine Trommel zu bauen?
Vier Mitglieder vom „Peace Africa Children`s Ensemble“ aus Kampala (Uganda) sind während ihrer Workshoptour durch Süddeutschland eine Woche lang zu Besuch in Konstanz. Hier geben die ugandischen Projektgründer und Musiker Ronald Kibirige und Israel Kalungi zusammen mit zwei Kindern aus dem Ensemble, Fausta Nakasujja und Edrine Matovu, Workshops. Ihre Gastgeberin, Katharina Lilje, Sonderschullehrerin an der Regenbogenschule in Konstanz, hat das Projekt während eines dreimonatigen Aufenthalts in Uganda kennengelernt. Es wurde vor zehn Jahren von den beiden ugandischen Musikern gegründet und ist das Zuhause für etwa 25 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 22 Jahren, von denen die meisten keine Eltern mehr haben. Dort wird zusammen gelebt, gegessen und vor allem getanzt und musiziert. Ronald und Israel legen als professionelle Musiker großen Wert darauf, dass die ugandischen Kinder sich mit ihren kulturellen Wurzeln auseinandersetzen. Alle Kinder erhalten eine musikalische und tänzerische Ausbildung. Sie lernen, ihre Fähigkeiten mit anderen zu teilen und über Musik und Tanz miteinander ins Gespräch zu kommen. BarakaChor6
Und so passiert es am Ende auch hier am Bodensee, dass mehr stattfindet, als nur Workshops. In knapp einer Woche wurde Musik getauscht, füreinander gesungen, miteinander getanzt, gelacht, zusammen geschwitzt, Eis gegessen, geschwommen, gekocht. Und egal, ob die Workshopteilnehmer sechs oder sechzig Jahre alt waren: um kulturelle Unterschiede oder Berührungsängste ging es nach spätestens fünf Minuten schwitzen nicht mehr. Kulturaustausch kann so einfach sein. Die Spenden, die das Ensemble auf ihrer Tour sammelt, fließen übrigens ohne Umwege direkt nach Uganda in das Projekt. Dort helfen sie, die Schulgelder, die medizinische Grundversorgung und die Verpflegung der Kinder sicherzustellen.

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