Weihnachten unterm Papaya-Tree

„I wish I had a Papaya-Tree in my backyard“

Es sollte ein spezielles Weihnachten werden 2012, das wusste ich schon im Sommer. Die Reise sollte nach Uganda, nach Kampala gehen. Weihnachten in Kawempe mit den Kids von Peace Africa, das hatten wir im Sommer ausgemacht. Für uns war das das Versprechen, schnell wieder zu kommen.

Weihnachten Das Wiedersehen sollte nicht nur für mich und Frederic spannend werden. Ronald hat unsbei unserer Ankunft erzählt, dass die Kinder seit Bestehen des Projekts noch nie zusammen Weihnachten gefeiert hatten. Normalerweise fahren sie vorher zu den Familien, die es noch gibt. Sofern es keine Eltern mehr gibt, ist es Ronald und Israel wichtig, dass die Kinder in den Ferien zu den Familien in die Dörfer fahren und die Verbindung zu ihren Wurzeln nicht verlieren. Nur eine Handvoll Kinder bleibt in Kawempe, die, die wirklich keine Angehörigen mehr haben. Dieses Jahre sollte es anders werden und alle waren gespannt.

 

Im Gepäck hatten wir Spielsachen und Kleider, Schmuck und Schnickschnack für die Mädchen, so wie immer eigentlich. Aber im Gepäck waren ausserdem zwei recht aussergewöhnliche Spenden vom 1. FC Mainz und vom Freiburger FC – ganz neue Trikots, Jacken, Fussbälle, Fussballpumpen und Stulpenschuhe.
Warum ist das speziell?
Die Jungs in Kawempe können nicht nur alle Championsleague-Spieler aufzählen und kennen Bayern München und Borussia Dortmund. Sie sind vor allem selber fussballverrückt. Dauernd wird gekickt, im Hof, auf dem Weg zur Schule, aber vor allem auf dem Fussballfeld, 5 Gehminuten vom Projekt entfernt.
Das Weihnachten 2012 wurde so, wie Weihnachten wahrscheinlich sein muss. Die schweizer Volontäre vom letzten Sommer hatten zusammengelegt und so konnten wir vor Ort noch Bücher für die kleine, aber immer weiter wachsende Bibliothek und Süssigkeiten kaufen. Hajjara, 13 Jahre, ist die neue Bibliotheksleiterin. Sie hat sich ein Ordnungssystem für die Bücher überlegt und dafür sorgt, dass sie nach der Ausleihe wieder zurück ins Regal kommen und nicht unter, hinter und in den Betten auf immer verschwinden.

Mit Unmengen an Zeitungspapier, Schnur, Gummibärchenpackungen und Geduld, haben wir tatsächlich jedem Kind ein Geschenk verpacken können. Wir haben Lichterketten und Kugeln gekauft und die Kinder haben den kleinen Papayabaum im Garten geschmückt und mit abenteuerlichen Kabelverlängerungen an den Strom angeschlossen. Als wir mit dem ganzen Zeug ankamen, haben einige Kinder recht ungläubig geschaut. Aber dann wurde es dunkel und der Baum leuchtete und glitzerte wie es sich für einen Weihnachtsbaum gehört. Unter dem Papayaweihnachtsbaum standen zwei Bänke mit all den Geschenken.
Auch kulinarisch wurde einiges geboten. Es gab kein Posho und auch die Bohnen waren eher Beilage als Hauptgericht. Es gab verschiedene Gemüsesorten, Chapati, Reis, Spaghetti, Erdnuss-Sossse und Tofu wurde gebraten – was für ein Duft den ganzen Tag. Ein paar Kisten mit bunten und klebrig süssen Sodas standen bereit, als wir im Halbkreis vor dem Baum sassen, alle mit vollen Tellern mit dampfendem Essen auf dem Schoss. Und dann?
Ein Tropfen, noch ein Tropfen, ganz viele Tropfen… Regen!

Alles wurde rein geräumt, alle Geschenke unterm Baum weggeholt, die Lichterketten vom Strom genommen und wir sassen etwas angenässt im Probenraum und haben dort gegessen.
Wasswa und Kato, die Zwillinge wollten den Weihnachtsbaum nach dem Regen zum Wunschbaum machen. Also wurde alles wieder nach draussen geräumt, die Stühle wieder in einen Halbkreis gestellt. Und da leuchtete er wieder, unser Baum. Geburtstagslieder und Weihnachtslieder wurden gesungen und dann kam ein sehr berührender Moment. Es war ganz still und jedes einzelne Kind ist zum Baum gegangen, hat nach oben in die bunt blinkende Lichterkette geschaut und sich etwas gewünscht. Die Situation war magisch. Manche Kinder standen sehr lange, andere gingen zusammen, sich an den Händen haltend, die anderen sassen schweigend, lächelnd und schauten zu. Manche überlegten, was sie sich wünschen sollten, andere kamen lachend und hüpfend zurück in den Kreis. Dann war noch Ronald übrig.
Plötzlich: ein Tropfen und noch ein Tropfen und viele Tropfen, Regen!

Weihnachten

Alle Geschenke wieder rein, Lichterkette abmontieren, Stühle stapeln. Dann hatte keiner mehr Lust, zu warten und es wurde bis drei gezählt und dann zusammen ausgepackt, gestrahlt, gelacht, getauscht, geschaut, sich bedankt, sich gefreut. Genauso wie es zu sein hat, dieses Fest des Glitzerns, des Lachens und der strahlenden Augen. Neue Klamotten wurden angezogen, Ohrringen ausprobiert, Bücher wurden angelesen, die Fussballklamotten angezogen, erste Mannschaftsbilder gemacht. Dann fehlte nur noch gute Musik und die Party ging los. Alle haben wir getanzt. Nachdem der Regen aufgehört hatte, wurde auch der Papayatree wieder illuminiert.

Nach und nach verschwanden die kleinen Kinder in ihren Betten, Ronald ist heim gefahren, die Musik wurde leiser gedreht, es wurde nur noch geflüstert. Der Weihnachtsabend, diesersehr spezielle 25.12.2012 endete ganz ruhig und gemütlich mit der Verabredung am nächsten Morgen um 7 Uhr in die Kirche aufzubrechen. Frederic, ich, die 5 grossen Jungs, Ovi und Hajjara haben es tatsächlich geschafft, die anderen haben wir dann zum Frühstück im Projekt wiedergetroffen. Die Heiligkeit hat eben für jeden ihre eigene Wichtigkeit und die Entscheidung, früh aufzustehen, wurde sehr individuell getroffen.

Weihnachten

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