Die tapferen Schneiderlein!

Nähmaschinen

Geht man auf grössere Märkte in Uganda, dann findet man sie immer, die Bereiche mit den Stoffen, den Klamotten und den Näherinnen und Nähern. Auf dem Ovino-Markt, dem grössten Markt in Kampala, ist der Teil mit den Näherinnen, Nähern, den Klamottenverkäufern und den Unmengen an Stoffen, eigentlich mein Lieblingsort.

Der Ovino ist so gross, dass man sofort komplett die Orientierung verliert, wenn man ihn betreten hat und eigentlich nie da rauskommt, wo man hinwollte. Es ist eng, voller bunter Waren, überall riecht es anders, Massen von Menschen quetschen sich durch die Gänge, hinter einer Ecke wird Erdnussmehl zu Erdnussbutter verkocht, an einer anderen wird ein frisch geköpftes Huhn in kochendes Wasser getaucht, bis nur noch die Füsse oben rausschauen – so kann man es besser rupfen. Neben den Schuhen kommen die Taschen, gefolgt von den Röcken, den T-Shirts, den Unterhosen, den Fischen, den Metzgern, alles ein grosses, buntes, lustiges Durcheinander und dennoch hat alles irgendwie eine Logik. Mit jedem Besuch entdeckt man einen neuen Teil und ist ganz sicher, dass es den beim letzten Mal noch nicht gab. Stimmt zwar nicht, aber der Ovino ist immer ein sehr spezielles Erlebnis und nach zwei Stunden hat man immer das Gefühl, man war einen halben Tag unterwegs, so platt machen all die Eindrücke.

Die Mutter von Israel arbeitet seit über 20 Jahren dort. Erst war sie selber Näherin, jetzt verkauft sie Klamotten, die sie sich liefern lässt. Ich habe ihr versprochen, dass ich bei einem der nächsten Besuche, mal einen halben Tag mit ihr Klamotten verkaufe. Allein mit ihr dort einen halben Tag zu sitzen, ist sicher ein Erlebnis.

Nähen zu können, hat in Uganda viele Vorteile. Man kann den Nachbarn seine Dienste anbieten und wenn man gut ist, kann man ein kleines Business, einen kleinen Laden aufbauen. Bisher wurden die Kostüme für die Auftritte des Peace Africa Children`s Ensembles extern angefertigt. Im Zusammenhang mit der Professionalisierung der Kinder in verschiedenen Disziplinen, hatten wir vor zwei Jahren, als wir mit Israel auf dem Ovino am Stand seiner Mutter die Idee, einen Nähkurs einzurichten. Mit einer kleinen Spende konnten 6 alte, wunderschöne Singer-Nähmaschinen gekauft werden, der Klassiker bei jedem Tailor in Uganda. Mit einer weiteren Spende wurde ein Trainer engagiert, der einmal in der Woche kommt, immer sonntags, und einen Nähkurs mit den Kindern macht. Im letzten Sommer hörte man im Hof nach dem Mittagessen am Sonntag immer das gleichmässige Schnurren der Fusspedale und das Drehen, der Riemen, die die Nadel nach oben und unten führen. Die Kinder machen den Kurs in zwei Schichten, einige können auch mehr probieren, die die besonders talentiert sind. Jetzt nach einem halben Jahr, können sie bereits kleinere Reparaturarbeiten selber machen. Es gibt einige, denen das Nähen so viel Spass macht, dass sie sich auf jeden Fall weiter spezialisieren wollen. Und wer weiss, bald hängt vielleicht ein Schild am Tor: „If you need a shirt, a skirt, a suit – just ring the bell – professional tailering services provided“

 

 

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